Amour

Amour ★★★★½

English tl;dr
The ailment of old age is a subject most of us don't really want to talk about, even though it will probably affect all of us in some way or another. Michael Haneke confronts us in such an unrelenting way showing only life itself without any trace of sentimentality that it reduces the audience to a helpless observer making it sometimes very painful to watch. On the other hand the darkest chapters of life tend to bring out the best in people and so first and foremost it's a movie about unselfish love, which beauty is depicted so carefully and expertly by the amazing camera work. I know there will be people who will dislike this movie's confrontational nature and its slow pace, but I regard it as a very important and touching experience.



Es gibt Filme, wo man schon nach einiger Zeit merkt, dass man liebsten wegschauen würde und doch kann man es nicht, weil sie einen zu sehr in ihren Bann ziehen. 'Amour' gehört genau zu dieser Sorte Film.

Wir treten an die Seite eines älteren Ehepaares, welches in Ruhe ihren Lebensabend in einer gemütlichen Pariser Altbauwohnung verbringt, gemeinsam der klassischen Musik frönen und sich über ihre letzten gelesenen Bücher austauschen. Dieses Leben nimmt jedoch nach und nach ein Ende als die Gattin an Demenz erkrankt und ihr selbst schon vom Leben gezeichneter Mann mit aller Kraft und aufopfernder Bereitschaft sich ihrer annimmt und sie mit einer unerschütterlichen Selbstverständlichkeit pflegt.

Die Gebrechlichkeit des Alters ist etwas, worüber man nur ungerne spricht, obwohl es uns alle auf die eine oder Weise in unserer persönlichen Zukunft betreffen wird. Als großer Meister seines Faches konfrontiert uns Michael Haneke hier mit einer unerbittlichen Konsequenz, die nicht nur seinen Darstellern sondern auch den Zuschauern einfach alles abverlangt. Ballast in Form von Kitsch und Sentimentalitäten werden komplett über Board geworfen, stattdessen wird uns ein Fenster eröffnet, das den ungeschönten Blick auf das Leben selbst zulässt und daher mehr zur Rührung anregt, als es ein sentimental-überladenes Filmerlebnis bei diesem Thema je zu Stande gebracht hätte. Musik kommt beispielsweise nur zum Einsatz, wenn es auch immanent zur Narrative des Films passt, zum Beispiel wenn jemand eine CD einlegt oder sich an den schönen Konzertflügel der Wohnung setzt. Gleichzeitig hat diese große Stärke des Films aber auch eine Wirkung, die man bloß als erschöpfend bezeichnen kann. Dadurch, dass alles so unfassbar real und schon fast wie eine Dokumentation wirkt, überlässt uns Michael Haneke bloß die Rolle des stillschweigenden Beobachters, der mit einer lähmenden Hilflosigkeit den Verfall des Körpers und Geistes beiwohnen muss.

Trotz dieser Anstrengung ist 'Amour' - wie der Titel erkennen lässt - vorrangig ein Film über Liebe und wie so häufig bringen die dunkelsten Zeiten in manchen Menschen ihre besten Seiten hervor. Die meisten waren wohl schon verliebt und haben auch die magischen Wörtchen "Ich liebe dich!" zu einer Person gesagt, doch hier wird eine selbstlose Form von Liebe präsentiert, die einen sprachlos werden lässt und die man sich für sein eigenes Leben wünschen mag. Insofern wohnt in diesem Film auch eine wahnsinnige Schönheit inne, die auch in der tollen Ästhetik des Bildes immer wieder durchblitzt.

Manch einer wird sich mit der konfrontativen Natur des Films und seinem ruhigen Tempo sicherlich schwer tun, aber ich halte ihn für einen sehr wichtigen Film, der mich noch dazu sehr bewegt hat.

Kamil liked this review