A Separation

A Separation ★★★★

English tl;dr
There are conflicts in which either sides are so fundamentally defined by their own values that you can't honestly expect them to deviate from their original positions. Conflicts in which you have to act in moral gray areas and whole systems of conflicts in which a simple solution or even the most universal compromise won't make everybody walk out with satisfaction. Portraying a country where morality, religion and judiciary all have their justified but sometimes conflicting place in society this is the type of drama that will confront you with some painful and displeasing truths which will have all the more impact on you.



Entgegen der typischen Hollywood-Klischee-Formel muss man sich doch fragen, ob das wahre Leben einem nicht viel häufiger aufzeigt, dass es in einigen Konfliktsituationen einfach keine Lösung und keine Kompromissbereitschaft geben kann. Manchmal kann man eben nicht von seiner Meinung abweichen, oftmals sieht man sich in moralischen Grauzonen agieren, wo die eine für alle gewinnbringende Auflösung nicht zu existieren scheint und einige Male stehen einem seine eigenen Werte und der eigene freie Wille fast schon im Weg. Wer ein in dieser Prämisse verwurzeltes Drama sehen möchte, ist bei "Nader und Simin" genau richtig.

Es handelt sich bei den beiden um ein im Iran lebendes Paar, dessen verschiedene Standpunkte sehr früh etabliert werden und sofort zum Einstieg ersichtlich wird, dass ein Abweichen von ihren unterschiedlichen Positionen nicht möglich sein wird. Sie möchte mit ihrer gemeinsamen Tochter in den Westen auswandern, um dort ein besseres Leben zu führen ; er wird nicht mitgehen, weil er einen Alzheimer-erkrankten Vater zu Hause hat, den er auch weiterhin pflegen möchte. Die Scheidung scheint unausweichlich und so gleitet die Geschichte in ein Scheidungs- und Gerichtsdrama anderer Art hinein, da das Schicksal dieser Ehe mit all seinen Konsequenzen auch an die Geschichten anderer Menschen gebunden ist und islamischer Glaube, Moralität und das juristische Gesetz eng ineinander verästelt sind.

Als einer der ersten iranischen Filme, welcher auch international große Schlagzeilen gemacht hat, war es für mich durchaus spannend mitzuverfolgen, wie das Porträt dieses Land aussehen würde, welches einerseits modern sein möchte, anderseits aber auch noch stark in konservativen Werten festhängt und diese Schere auch innerhalb der verschiedenen Bevölkerungsschichten zu spüren ist. Ohne große kathartische Wirkung, ohne großes Drama und ohne emotional begleitenden Soundtrack hat es zwar etwas gedauert, bis ich mich auf dieses ungeschönte und minimalistische Kino einlassen konnte, aber wenn man plötzlich realisiert, dass jeder der Akteure dort verständliche Gründe für sein Handeln vorlegen kann und die von seinen Werten geprägte Rolle auch mit einer undurchdringlichen Konsequenz ausführen muss, dann gerät man doch schon ins Nachdenken darüber, wie deterministisch manche Konfliktsysteme aufgrund ihrer Umstände doch ausschauen können.

Insofern hat der Film auf mich eine große Wirkung hinterlassen. Er legt Zeugnis über einige schmerzvolle und unangenehme Wahrheiten des Lebens ab und wer sich auf diese Art von Lebensdrama einlassen kann, sollte diesem iranischen Juwel mehr als nur eine Chance geben.

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