Man of the West ★★★★½

Der Mann aus dem Westen war mal ein krasser Gangbanger. Das ist vorbei. Heute will er eine Schule aufbauen, ein gutes und gerechtes Leben führen und in die Zukunft schauen. Aber ein haarsträubender Zufall - ausgerechnet der Zug, der ihn diesem Ziel näher bringen soll, wird überfallen - treibt ihn unwillentlich zurück in die Hände seiner alten Bande von Outlaws.

Unglaublich, was der gottgleiche Anthony Mann hier 1958 für ein Brett abgeliefert hat! Gary Cooper spielt einen Mann aus dem Gestern, der sich vor dem Dampf einer einfahrenden Lokomotive noch erschrickt wie vor einem wilden Tier. Der Zug, der ihn endgültig ins Morgen fahren soll, dampft nach dem Überfall ohne ihn weiter, und ab da wird der zunächst noch fröhlich-trubelige Wilde Westen zum Vorhof der Hölle. Die Landschaften sind menschenleer, geisterhaft, statisch, geradezu tot; das Kaff, in dem am Ende der große Banküberfall steigen soll, sieht aus wie ein Skelett in der Steppe. Alles wirkt vergessen, abgehängt, aufgegeben; Cooper muß handeln, bevor die Langoliers diese Vergangenheit auffressen. Doch bei keinem der unfreiwillig beteiligten Unschuldigen gelingt es ihm zu verhindern, daß ihnen Gewalt angetan wird. Und die psychische und physische Gewalt ist hart in diesem Film, ob sexuell oder mit dem Schießeisen oder im Faustkampf; die Schlägerei zwischen Cooper und Jack Lord ist so zäh und ungeschönt brutal wie selten ein Fight in einem Western; hier hat John Carpenter für THEY LIVE sicher sehr genau hingeschaut. Als Cooper selbst zur Waffe greift, ist das kein heldenhafter Befreiungsschlag; der getroffene Bandit stolpert, vor Schmerz jaulend wie ein abgestochenes Schwein, durch die Geisterstadt und verreckt schließlich elendig im Staub. Es ist eine Hölle ohne Wiederkehr. "Du lebst in einer Welt, die es nicht mehr gibt", sagt Cooper im Showdown zum halbverrückten Gangleader Lee J. Cobb.

Vielleicht einer der besten Western, die ich je gesehen habe, karg und unnachgiebig, frei von Hoffnung und richtig gemein. Nur an Lee J. Cobb als Vaterfigur für den 11 Jahre älteren Gary Cooper musste ich mich ein bißchen gewöhnen.