Tenet ★★★

In Zeiten von Corona kommt ein derartiger Kinobesuch einem saisonalen Ereignis gleich. Nach einer langen Durststrecke und vielen Ungewissheiten was das derzeitige Kino betrifft, wird "Tenet" von einigen willkommener geheißen als ein Regenschauer während einer Dürreperiode. Und auch mit dem Blick auf die leeren Kinosessel in der ersten Woche (!) und vor allem bei den Trailern vor dem Hauptfilm wird die "Durststrecke" des derzeitigen Kinos nochmal deutlich: Außer "Wonder Woman 1984" kein einziger "Blockbuster". Vielleicht eine gute Gelegenheit für Karoline Herfurth und Til Schweiger Zuschauer ins Lichtspielhaus zu locken, wenn da nicht Corona wäre, und einige zur Sicherheit lieber einen Kinobesuch vermeiden...

Und dann kommt Nolan's neuer Streich "Tenet" um die Ecke. Ich möchte über den Plot nicht zu viel verraten. Je weniger man darüber weiß, um so besser. Nur soviel sei gesagt: Nolan ist hier ein Agenten- bzw. Spionage-Actionthriller gelungen, der den Faktor "Zeit" veranschaulicht und komplex aufbröselt, wie es wohl noch kein anderer Film geschafft hat.
Die Darsteller machen ihre Sache gut. Differenzierte oder grandiose Schauspielleistungen, Figuren und Dialoge darf man hier nicht erwarten. Das gibt das Drehbuch einfach nicht her, die Figuren dienen ihrem Zweck und bekommen dabei kaum Tiefe. Auch die "Agent-rettet-die-Welt-Story" an sich würde ich nicht als so kompliziert beschreiben, wie man oft hört, sie ist nur verschachtelt erzählt. Es sind eher die Fragen, die man sich anfangs noch stellt und die Ungereimtheiten, die anfangs noch nicht zusammenpassen zu scheinen, die Nolan aber (so gut) wie alle auch beantwortet und auflöst. Und das macht er teilweise mit einem knalligen "Aha-Effekt". Auf zu viele Expositionen verzichtet er aber hier, auch wenn er natürlich am Ende noch einen drauf setzen muss. Auch bei den teils umwerfenden Actionsequenzen sei Folgendes gesagt: Es wurde weitestgehend auf CGI verzichtet und gerade im Zusammenhang mit dem Faktor "Zeit" schauen einige Abläufe einfach fantastisch aus. Ebenso der Crash einer (echten) Boeing 747, sowie eine rasante Verfolgungsjagd.
Der treibende und brachiale, wenn auch monotone "Orchester meets Synthie-Sound" mit Trance- und Drone-Einschlägen von Ludwig Göransson fällt schon auf und entwickelt gerade in den Actionszenen eine ziemliche Wucht und hat mir sehr gut gefallen.

"Tenet" ist ein Nolan, wie man es gewohnt ist. Oberflächlich sehr komplex, bei genauerem Hinsehen aber ein etwas flacher, kalter, lauter Blockbuster mit einigen grandiosen Ideen, Verschachtelungen und "Ebenen" und optischen Raffinessen, aber auch großen Schwächen in den Charakterzeichnungen, der aber einen Kinobesuch allemal rechtfertigt.

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