Brief Encounter ★★★★★

"Begegnung", David Leans 1945 entstandener vierter Spielfilm, mit Trevor Howard und Celia Johnson in den Hauptrollen. Einer der groessten Klassiker der Filmgeschichte, ein Film der auf Platz 2 der besten 100 britischen Filme des 20. Jahrhunderts gewaehlt wurde. Ein Film, dessen einzige deutsche DVD Veroeffentlichung seit ewigkeiten gestrichen ist, ein Film, der hier acht Rezensionen in 12 Jahren bekam. Traurig, traurig.

Das, was Lean und Noel Coward zuvor gemacht hatten, das finde ich ok. Aber diese drei Filme (In which we serve, Wunderbare Zeiten und Geisterkomoedie) vermochten mich nie wirklich zu begeistern. Aber dann, Lean wechselte das leuchtende Technicolor seiner letzten beiden Filme mit duesterem Schwarzweiss aus - und Schlag auf Schlag sollten nun Meisterwerke entstehen - und "Begegnung" ist das groesse von allen. Eine traurige und doch schoene Liebesgeschichte, bittersuess aber nie kitschig. Sehr aufrichtig, sehr beruehrend, sehr echt. Hausfrau Laura lebt ein stinknormales Leben, ist verheiratet, hat zwei Kinder, einem Leben dem es scheinbar an nichts fehlt. Jeden Donnerstag ist ihr "freier Tag", sie faehrt zum einkaufen in die naechstgelegene groessere Stadt, geht Mittagessen, ins Kino. Alles sehr geregelt. Der Trott den man blind macht, weil nichts da ist das dazu fuehren koennte das man Dinge wieder in Frage stellt, das man die Welt neu sieht, das vergessene Gefuehle erwecken koennte. All das aendert sich als sie Alec trifft, ebenfalls verheiratet mit Kindern, ebenfalls einer der den gleichen Tag immer wieder verbringt. Man trifft sich durch Zufall, findet sich gegenseitig sympathisch, beschliesst einfach mal den naechsten Donnerstag gemeinsam zu verbringen. Was das bedeutet wird beiden sehr schnell klar. Liebe. Die gemeinsamen Stunden werden zu den Gluecksmomenten fuer beide, nach langer Zeit spueren sie wieder das, was sie vergessen hatten. Wie schoen es ist wenn man mit jemandem zusammen ist den man liebt. Selbst die gewoehnlichsten Orte, Orte die man staendig besucht hat, erscheinen im ganz neuen Licht wenn man sie mit jemandem besucht den man liebt (sehr schoen gezeigt in der Szene als Laura berauscht von Glueck nachhause faehrt und sich dann, allein auf dem Weg zum Heim, in die Leblosigkeit zurueckgezogen fuehlt. Doch dunkle Wolken schweben ueber der Beziehung, es ist eine Beziehung ohne Zukunft. Beide haben Familie, das aufzugeben ist nicht leicht. Sie haben auch keine schlechte Ehe, keine schlechten Partner. Sie haben die Form von Ehe die hunderttausende fuehren: Eine Partnerschaft aus der die Luft 'raus ist, die Freude, das Kribbeln. Eben einfach Familie, mit der konventionellen Zuneigung in der fuer Leidenschaft schon laengst kein Platz mehr ist. Langweilig, man nimmt sich gegenseitig kaum noch wahr, fuehlt sich nicht mehr begehrt und kann das auch selber nicht mehr geben. Wenn du dann, nach Jahren dieses Lebens eine neue Liebe triffst - dann schlaegt das Gefuehle los wie bei eines Teenagers erster Liebe. Man fuehlt sich wie neugeboren, ist wieder gluecklich. Nein, vorher war man nicht ungluecklich, vorher war einfach das nichtssagendste aller Moeglichkeiten, das weder noch. Kein anderer Film hat diese Form von Beziehung, eine Beziehung unter solchen Umstaenden (nennen wirs mal Fremd gehen) so ehrlich und wundervoll eingefangen wie "Begegnung". Ein Film, den man noch besser versteht wenn man aehnlich fuehlt oder aehnliches mal erlebt hat. Ich hab's. Kehrte auch in mein normales Leben zurueck, werde diese Zeit des Gluecks und Schmerzes (und der Verzweiflung, da man allein damit ist, es komplett auf sich gestellt in sich traegt) aber nie vergessen. Aehnlich wie Laura im Film wunderte ich mich das mein Partner nicht einen Moment merkte das ich mit den Gedanken staendig ganz woanders war. Und so bitter das Ende fuer diese kurze beziehung zwischen Laura und Alec auch ist, Laura denkt schon frueh darueber nach das der Schmerz eines Tages nicht mehr spuerbar sein wird, das man drueber hinwegkommt und es mit einem nostalgischen Laecheln abtun kann. Und wer weiss, vielleicht hatten die beiden ihre schoensten gemeinsamen Stunden bereits. Nichts ist so schoen wie der Anfang - waeren sie zusammengekommen, hm, die Chance ist gross das sich spaeter ein Abbild ihrer jetztigen Ehen geformt haette. So aber bleibt es trotz des schmerzes eine Erinnerung gluecklicher Reinheit, es gab nie gelegenheit fuer Streits und den Ernst des Lebens. Also, ihr seht, eine sehr schoene Story die trotz aller Schlichtheit viel Raum zum Nachdenken laesst. David Lean's Regie ist perfekt, die Fotografie betoerend, jedes Bild kann man sich an die Wand haengen. Die kleine Stadt, und die Handlungsorte strahlen diese urenglische Gemuetlichkeit aus, wuerd gern da leben. Auch das von Lean geschriebene Drehbuch, basierend auf einem sehr kurzen Theaterstueck von Coward (bei dem die "Begegnung" nur ein Teil unter anderen ist) waere perfekt. Ich sage "waere" weil mich eine einzige Szene stoert. In der Wohnung von Alecs Freund, das Gespraech zwischen den beiden als Laura schon weg ist. Wie soll das gehen in einer Story die komplett aus Laura's Sicht erzaehlt wird. Die Szene bricht die Stimmung, wirkt wie ein Fremdkoerper, ist aber schnell vergessen. Na, und Howard und Johnson, so wundervoll. So wundervoll, Leute. So wundervoll wie der ganze Film. Man guckt ihn, und erinnert sich daran was fuer schoene Momente das Leben bieten kann. Die "Brief encounters", das sind letztlich die besten.